Freitag, April 19, 2024

Mac Reimann

Von Kassel aus hinaus in die weite Welt des Jazz und der Cobol-Algorhythmen: nicht unbedingt ein Weg, der einem Arbeiterjungen aus Kassels Stadtteil Rothenditmold in die Wiege gelegt wurde.

Artur „Mac” Reimann, Jahrgang 1931, ein Gitarrist der ersten Stunde des deutschen Nachkriegsjazz, hat sein Musikstudium in den späteren 40er Jahren am heimischen Röhrenradio absolviert. AFN hiess die Fakultät, seine Lehrer waren Charlie Parker, Wes Montgomery, Sonny Rollins, Miles Davis.

He knows all the chords: Mac, Foto: Privat

Sein Weg führte ihn von Kassel zum Mathematik-Studium nach Marburg, mit Giessen und Frankfurt und deren amerikanischen Clubs quasi vor der Haustür. Dort und in anderen Einrichtungen dieser Art sah man ihn allerdings öfter als im Hörsaal: als Zuhörer oder mit einer seiner Bands, die sich ziemlich schnell einen Namen in der Szene machten.

Ausgabe der Hessischen Nachrichten vom 29. 11. 1957
Olaf Kübler, Mac Reimann, Foto: Privat

Das Mac Reimann Sextett (mit Olaf Kübler am Alt-Sax) spielte 1959 zur Eröffnung der documenta 2. 1956 und 1957 wurden er und die Band auf dem Amateur-Jazz-Festival in Düsseldorf prämiert. Zahlreiche Kontakte entstanden: zu den Mangelsdorff-Brüdern, Jackie Liebezeit, Manfred Schoof, Alexander von Schlippenbach.

Band im Bulli on Tour, Foto: Privat

Mit der Familiengründung 1959 hat Mac Reimann dann die Gitarre durch Lochstreifen ersetzt. Der solide Job als Cobol-Entwickler beim amerikanischen IT-Konzern sichert das tägliche Brot auf dem Tisch.

Erst während eines Assignments im Silicon Valley in den 80ern hat die Gitarre wieder eine größere Rolle gespielt. Freundschaften mit dem Jazz-Duo Tuck and Patti und Pianist und Musical Director Smith Dobson (Garden City, San Jose) entstanden. Mit Larry Grenadier, Jeff Ballard und Dobson hat er drei seiner Stücke eingespielt. Er jammte mit Ernie Watts, Joe Henderson, Bobby Hutcherson, Jeff Buenz, Jim Nichols und vielen anderen Jazzmusikern aus der nordkalifornischen Szene.

Surprise, Mac Reimann
Sequoia, Mac Reimann
Ferrarius, Mac Reimann

Seit den Anfängen in den 50ern hat Mac Reimann vor vielen Auftritten und Jams den Aufnahmeknopf gedrückt: Leider nicht immer zur Freude mancher Clubbetreiber. Im Familienarchiv verbirgt sich dafür zur Freude der Erben noch manch ungehörte Perle.