Freitag, November 6, 2026
HistoryKonzert

Wallfahrt nach Fehmarn

Großer Klangüberwältiger, Rückkopplungsgott, Gitarreneuerfinder, Hippie-Gallionsfigur, Komponist, Lyriker, Produzent, Mischpultmagier, Träger blumiger Plünnen und Showtalent der Extraklasse: Das alles und noch viel mehr war Jimi Hendrix, geboren in Seattle und aufgewachsen unter wahrlich nicht so rosigen Bedingungen. Ein Wunder, dass er sich so durchsetzen konnte. Sein Leben war ein rasanter Parforceritt. Es endete tragisch am 17. September 1970 in London und hallt bis heute nach.

So weit, so bunt und weltläufig international. Sein letztes großes Konzert jedoch gab Hendrix in der tiefen Provinz: auf Fehmarn in der Ostsee. Drei Kneipiers aus Kiel initiierten, womöglich aus einer berufsimmanenten Schnapslaune heraus, das Love and Peace Festival vorm Leuchtturm Flügge. Was soll man sagen? Heraus kam ein Desaster. Die Bühne ein Hohn. Der Sound erbärmlich, die Hamburger Rocker gewaltbereit. Das Line-up zerbröselt: Die Hälfte der gebuchten Bands kam nicht, und sie taten wohl daran. Das Wetter, nun ja, eben norddeutsch.

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Konzert

Die norwegische Wärmepumpe. Sūn Byrd im Bix.

Um den Fortbestand der Soulmusic muss einem offenbar gar nicht Bange werden. Den Beweis trat diese casual wear heartfelt feelgood combo an, die mit ihrem Frontmann Johann Helland am 3. Juli 2026 im Bix beste Laune verbreitete. Wäre draussen bitterkalter Winter gewesen, Sūn Byrd hätte all den Frost der Welt g’schwind aus unseren Knochen vertrieben, soviel Wärme, Groove und Begeisterung strahlte das Septett aus Oslo aus. Yep, Oslo. Die Nordeuropäer scheinen ja generell über magische Fähigkeiten zu verfügen, dieses Genre überzeugend zu adaptieren. Die auch hier schon vorgestellte Ina Forsman ist Finnin, Rita Ray bereist von Estland aus die Welt. Beide haben sich schon im Bix eindrücklich präsentiert, und nun steht Sün Byrd auf der Bühne und liefert ab. Alles kannst du raushören: Marvin Gaye etwa, Curtis Mayfield, James Brown, Van Morrison, auch die Dap Kings womöglich und trotzdem machen diese Jungs aus Norwegen ihr eigenes geiles Ding.

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Konzert

Five Star Rating. Kurt Rosenwinkel im Bix.

Besser wird’s wohl schwerlich. Wer Kurt Rosenwinkel mit seinem überragenden Quintett am 2. Juli 2026 (zum jazzopen-Auftakt) im Bix erlebt hat, kann schnell zu diesem Schluss kommen.

The Remedy heisst ein bahnbrechendes Album des Jazzgitarristen, aufgenommen im New Yorker Village Vanguard vor genau 20 Jahren. Seitdem hat dieses Album, da ist sich der Autor sicher, manch tiefsitzenden Weltschmerz geheilt, manch quälenden Ärger transformiert. Mindestens! Jetzt also hält Rosenwinkel wieder Sprechstunde in den Clubs, The Remedy Tour heisst das Programm. Mit dabei hat er seine altbewährten Assistenzärzte, sein gut bestücktes Apothekenschränklein mit bekannt wirksamer Medizin und einigen neuen Präparaten. Am Ende sind alle glücklich, das Publikum und die Band.

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KonzertMesse

Deutscher Jazzpreis 2026: Aki Takase für ihr Lebenswerk geehrt

Im Congress Centrum Bremen wird am 26. April 2026, anschließend an die jazzahead, zum 6. Mal der Deutsche Jazzpreis verliehen: Ein Preis, der kraft seiner physischen Gestalt in jedem Sonntagabendkrimi eine veritable Tatwaffe abgeben würde. Die Veranstaltung findet vor beeindruckender und anregender Kulisse statt, die Laudatoren der improvisierten Musik lesen vom Blatt und manch ein Geehrter, manch eine Geehrte wirkt überrascht, überwältigt und bisweilen sympathisch verlegen bei der Preisübergabe. Hier feiert der deutsche Jazz sich selbst und vielleicht vergewissert er sich auch tapfer seiner selbst, so als Inselkunst in einem Meer banaler Tonfolgen, die zunehmend AI-generiert die Taschen der Industrie füllt und die Köpfe und Herzen ihrer Zuhörer leert. Wie auch immer, die Stimmung in Bremen ist jedenfalls gut, das Programm zur Auflockerung des Preisverleihs ist hochkarätig und verdient haben die hier geehrten Talente ihre Preise allemal.

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Konzert

Theaterhaus Jazztage 2025 / Haffners Happy Birthday

Jetzt wird er 60, der Wolfgang Haffner. Schnell wäre das gegangen, sagt er, eben noch hätte er all die Jubiläumstouren der Kollegen begleitet und sich weit von diesem ominösen Alter entfernt gewähnt. Nun also ist er selbst soweit. Würde er heute die Sticks beiseite legen und nur noch Rosen züchten, er hätte in diesen 60 Jahren schon unendlich viel erreicht. Illuster  und zahlreich sind seine Mitspieler. Alle sind sie voll des Lobes über diesen sensiblen, vielseitigen, kraftvoll agierenden Drummer. Seine diesjährige Jubiläumstour führt ihn auch nach Stuttgart, wo er sein Trio um den phänomenalen Thomas Quasthoff und um den fantastischen Nils Landgren erweitert hat, auch diese beiden langjährige Freunde und Begleiter.

Der Autor hat sich an diesem Abend im Theaterhaus jedenfalls hervorragend akustisch betreut gefühlt und hat gerne mitgefeiert.

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Konzert

Theaterhaus Jazztage 2025 / Rita Payés & Band, Martin Tingvall Trio

Das Doppelkonzert am 18. April, bestens besucht mit begeisterten Schwäbinnen und Schwaben, featured die spanische Sängerin und Posaunistin Rita Payés, die ihr Debütalbum schon im zarten Alter von 16 Jahren aufnahm. Mittlerweile, mit nicht minder zarten 25, hat sie sich auf zahlreichen Festivals, mit mehreren Alben und durch illustre Kooperationen eine profunde Reputation erspielt. Ihr Programm weist Rhythmus und Wärme vor, ihr Posaunenspiel ist so seelenvoll wie ihr Gesang. Schon etwas länger im Geschäft ist Martin Tingvall, der anschließend mit seinem Trio das Haus musikalisch versorgt. Der gebürtige Schwede spielt nicht nur bekanntes und auch bislang unveröffentlichtes Material, sondern auch, huch, Luftgitarre. Bevor jetzt völlig undenkbare Bilder eines entfesselt posierenden Schweden vor Ihren inneren Auge entstehen: Es ist nicht, wie Sie denken!

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Konzert

Reime im Weltall. Jacques Palminger und 440 Hz im Musa

Einen durchweg heiteren und gelösten Abend verbrachten zahlreich erschienene Gäste am 23. September in Göttingen. Auf der Bühne: Wortartist und Träger feinsten Anzugs Jaques Palminger mit seiner 440 Hz Combo, die sich zu fünft daran machte, seine elaboriert-intergalaktischen Texte angemessen musikalisch zu transportieren. Das hat gut geklappt, kann man vorab schon mal sagen. Es geht in diesen Texten um allerhand Sternenglanz, aber auch um fatale Dynamiken im Italienurlaub, um Fahrradunfälle und Ereignisse rund ums Zähneputzen. Das pralle Leben also, wobei nicht nur Herr Palminger selbst für Songmaterial sorgt, sondern auch seine talentierten Mitstreiter mal randürfen. Erwähnenswert auch die Freundlichkeit und Freigiebigkeit der Sitznachbarn des Autors, die bereitwillig ihre Erdnusswürmchen mit ihm teilten. Abgezählt zwar (5), aber nun. Man kennt sich ja kaum.

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Konzert

Songs ohne Verfallsdatum – Sting in Stuttgart

Viel schreiben muss man über die Ausnahmeerscheinung Sting eigentlich nicht mehr. Ein Sonderfall der neueren Musikgeschichte, ein hochbegabter Songschreiber, ein extraordinärer Sänger und vielseitiger Bassist und Gitarrist, charismatisch, schillernd, intelligent, unermüdlich, bisweilen arrogant, gibt im Rahmen der Jazzopen 2024 ein überwältigendes Konzert auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Mitgebracht hat er an diesem 28. Juli Dominic Miller an der Gitarre und Chris Maas am Schlagzeug. Ganz genau, ein klassisches Power-Trio wie zu Beginn seiner Karriere. Yesss… ! Die Drei überzeugen und harmonieren nicht nur dann, wenn sie viele der ikonisch-minimalistischen Kracher der Police spielen. Sondern oft auch dann, wenn sie komplexere Stücke aus der langen Solokarriere Stings anstimmen.

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Konzert

… woooosh! Sax-Hurricane Lakecia Benjamin im Bix

New York ist eine laute Stadt, ihre Bewohner sind da weit resilienter als Unsereiner in, sagen wir mal, Kassel oder Stuttgart. Ein diesbezüglich beachtliches Level brachte auch Lakecia Benjamin aus Washington Heights, Manhattan, mit. Sie hat das Bix am 27. Juli aber nicht nur mit Schalldruck beglückt, sondern vielmehr und insbesondere auch mit einer Performance, die gewaltige Soundkaskaden aus dem Horn sowie vitale Raps der Bandleaderin vorwies. Benjamin, Altsaxofonistin, Rapperin, Funk-Addict, mehrfacher Grammy-Nominee, Schnelldenkerin und -sprecherin, hat zudem eine abgekochte Band aus Spitzenmusikern mitgebracht, die mit ihrer quirligen Frontfrau munter mithalten. Was die so drauf hat, hat sich auch bis zu uns herumgesprochen. 2023 erhielt sie in der Kategorie „Blasinstrumente international“ den Deutschen Jazzpreis.

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The purple funk will never die

Sie wird beständig länger, die Liste der Bassistinnen im Jazz und den artverwandten Genres. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Auf dem Schlossplatz in Stuttgart war am 25. Juli zu Gast die fabulöse Bassistin und Sängerin Nik West, in deren musikalischer Biographie u.a. auch die Namen Prince und Larry Graham auftauchen. Geboten wird – im Rahmen der jazzopen 2024 – dementsprechend kompromissloser Funk, schillerndes Textil und ein unerschütterlicher Wille zur Party, zu der sich das klatschfeste jazzopen-Publikum bereitwillig animieren lässt: Ein mehr als stimmiger Opener für den sich darauffolgend inszenierenden Lenny Kravitz.

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Konzert

Theaterhaus Jazztage 2024 / Cuban Jazz Night: Michael Olivera & Jazz Syndicate, Ramón Valle, Ana Carla Maza Quartet Caribe

Der kubanischen Musik, oder besser: den kubanischen Musiken kann man eigentlich nicht genug Reverenz erweisen. Erstaunlich, wie umfassend der musikalische Einfluss dieser kleinen Insel weltweit ist. Guarija, Mambo, Cha-cha-cha, Bolero, Rumba, Son, Salsa, Reggaeton, der Einfluss auf die amerikanische Unterhaltungsmusik seit den 1930ern und auf den Jazz der 1960er Jahre, das von Ry Cooder ausgelöste Revival und hast-du-nicht-gesehen: Da kommt einiges zusammen. Die Theaterhaus Jazztage tragen dem Rechnung und reservieren dem karibischen Sound am 30. März einen ganzen Abend. Natürlich kann der nicht die ganze überbordende Vielfalt an Stilen und Ausprägungen abbilden. Ein bißchen was geht aber. Den Abend eröffnen Michael Olivera & The Cuban Jazz Syndicate. Der Bandleader, in Kuba ausgebildet und mittlerweile in Madrid zuhause, ist Kopf eines überaus potenten dynamischen Sextetts mit starken Solisten. Ramón Valles Soloauftritt am Flügel lässt uns Einblick nehmen in sein Innerstes. Ana Carla Maza, klassische Cellistin und Sängerin, wohnhaft in Paris, nähert sich mit ihrem Quartet Caribe dem Thema kubanische Musik nochmals völlig anders und ungewohnt an.

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KonzertMesse

jazzahead! 2024

Still going strong: Auch im 19. Jahr ihres Bestehens ist die Bremer jazzahead! Fixpunkt im Kalender vieler Akteure, die sich im Jazz-Kosmos tummeln. Neben einer Unzahl von Labels, Magazinen, Initiativen, Bookern, Clubbesitzern, Veranstaltern und Musikern, die sich hier treffen und austauschen, gibt es natürlich auch im April ´24 reichlich Musik zu hören. Die Showcases und die Veranstaltungen der Clubnight sind bewährte und gut besuchte Formate. Nur vom Autor diesmal nicht: Grippaler Infekt! Da ging nur wenig, aber das Wenige steht hier zum Nachlesen.

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Konzert

Zum Glück gibt´s Glyk. Bass-Power in Stuttgart

Schon 2017 hat der Deutschlandfunk „Das neue Wunder am Jazzbass” vorgestellt, das heute journal betitelt im gleichen Jahr einen Beitrag über die damals 20jährige mit „Jazz in seiner schönsten Art”. Teil des Phänomens Kinga Glyk ist, klar, die Social-Media-Präsenz der sympathisch-positiven E-Bassistin aus Polen, die dann auch die großen Sender aufmerksam werden lässt.
Glyk hat aber nicht nur ein Händchen für Youtube, Instagram etc., sondern auch einen delikaten Ton in ihren Fingern und fulminante technische Möglichkeiten. Davon und von ihrem Songwriting konnte sich das Publikum im Theaterhaus Stuttgart am 24.3.24 überzeugen.

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Konzert

Ein karibisches Powerhouse: Grégory Privat Trio

In der Halle T2 im Theaterhaus Stuttgart brodelt es. Grégory Privat, Pianist und Komponist mit karibischen Wurzeln, stellt sein neues Album Phoenix vor. Als erster Teil des Doppel-Features am 23.3.24 begeistert er vor ausverkauften Rängen. Die Musik, die er mit seinen Kollegen vorträgt (Chris Jennings am Kontrabass, Tilo Bertholo am Drumkit) strotzt nur so vor Kraft, Lebensbejahung und großer Hingabe.

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