Audienz bei der Princess of Jazz

Die Veranstaltung am 22.11.2019 war hochkarätiger Schlusspunkt des neuen Formats Internationale FlügelWoche, welches dieses Jahr erstmalig stattfand und ganz im Zeichen des großen Klangmöbels stand.

Der erste Deutschland-Auftritt der Pianistin mit aserbaidschanischen Wurzeln fand vor vielen Jahren in Kassel statt. Das erinnert eine entspannte Aziza Mustafa Zadeh in ihrer kurzen Ansprache an das Publikum, bevor sie in das erste Stück einsteigt. Mit ihr auf der Bühne: Ralf Cetto am Bass und Simon Zimbardo an den Drums. Eine bestens eingespielte Band, wie man gleich hören durfte.

Zadehs Spiel ist sehr kontrolliert und wirkt doch leichtfüßig, flüssig. Ihre Soli, die sie teilweise mitsingt, perlen und haben reichlich Drive. Ralf Cetto mit viel Freiraum, er wirkt gut ausgelastet und schmückt seinen Part mit sehr lebendigen Tonbögen aus, um dann wieder in schnelle Unisono-Passagen mit seiner Bandleaderin einzusteigen. Simon Zimbardo spielt sehr geschmackvoll und pointiert, besonders seine federnde Besenarbeit macht Freude.

Wirkte der erste Teil des Abends noch sehr kammermusikalisch, stieg der Energiepegel im zweiten etwas an. Ralf Cetto hat sein Jackett abgelegt, die Band ihre vornehme Zurückhaltung. Der Bassist weist seine Slapping-Künste vor, Zimbardo langt während einer kurzen kakophonischen Free-Passage mal ordentlich zu, die Chefin drückt schwere Cluster und bringt den Flügel zum Beben. Das entschlackt!

Die letzten Stücke des Abends nehmen sich wieder etwas zurück, wenn auch, wie etwa in New Baku, für einige Takte rockige Beats zu hören sind. Zweimal noch klatscht das dankbare Publikum die Musiker nach vorne, dann endet nicht nur ein Konzertabend. Sondern für dieses Jahr auch die 1. Internationale FlügelWoche des Theaterstübchens, die vom Fleck weg ein Erfolg war und sofort ihr Publikum fand.

Mit Zadehs Trio kam ein klassisch-europäisch geprägter, mit starken orientalischen Einflüssen vermengter Jazz zu Gehör. Die ikonische Pianistin spielt auf hohem Niveau und fusioniert diese Einflüsse virtuos und auf ganz unverwechselbare Weise.

Das Kasseler Publikum darf gespannt auf’s nächste Jahr sein, denn die Reihe wird, so man hört, fortgesetzt. Im Gespräch sind Künstler wie Bred Mehldau, es stehen also weitere Höhepunkte ins Haus.

Aziza Mustafa Zadeh, piano
Ralf Cetto, bass
Simon Zimbardo, drums