Freitag, April 19, 2024
Konzert

Delvon bleibt Delvon. DLO3 im Kasseler Theaterstübchen.

Delvon Lamarr kann man sich getrost als orgelspielenden König Midas des Souljazz vorstellen: Was er anfasst, wird zu Gold. Careless Whispers von George Michael entfaltet unerwartetes Potential, Kool and the Gangs Let the Music Take your Mind von 1969 bekommt einen maßgefertigten B3-Anzug übergestülpt, hierzulande eher unbekannte Perlen wie das The Horse von Cliff Nobles erfahren kunstfertige Reanimation. Die Hammond B3 schmatzt und bratzt so fett, dass es eine wahre Freude ist.

Mitgebracht hat Delvon Lamarr Josh Perdue an der Stratocaster und Ehssan Karimi an den Trommeln. Karimi reiht sich bestens ein in das Defilee von fantastischen Drummern in dieser Band: Dave McGraw, Grant Schroff, Daniel Weiss geben dieser Musik exakt, was sie braucht. In-the-pocket-Spiel, Druck, Dynamik, Delikatesse. 

Den Unterschied macht Josh Perdue. Perdue, dass stimmt auch in soweit, als dass Jimmy James nicht mehr dabei ist. Keine perkussiv-trockenen Licks auf der Silvertone-Gitarre mehr, keine hendrix’schen Showeinlagen an der Strat mehr, keine Frotzeleien mehr zwischen Gitarrist und Bandleader. Ohne Frage, Josh Perdue macht seinen Job gut, sein Spiel ist bluesiger als das seines Vorgängers, etwas zurückhaltender in der Begleitung, solistisch ausgebuffter. Der Bandsound stimmt und ist nach wie vor unverwechselbar DLO3, trotzdem vermisst der Autor zumindest in den ersten Minuten dieses Gigs etwas.

Aber was solls – Läbä geht weiter! Spätestens im zweiten Set gilt: Man kann sich immer wieder neu verlieben. Delvon Lamarr, Meister der ekstatischen Steigerung, bringt auch in Kassel das Publikum zum tanzen, Josh Perdue lässt die Strat klingen wie eine Strat klingen muss, Ehssan Karimi uhrwerkt sich stetig und unerbittlich voran. Das Repertoire wird lustvoll variiert und umarrangiert und die oft überraschenden Breaks sitzen. Auch der Publikumskontakt ist humorvoll und innig, und auch deshalb wird diese Band übelst gefeiert. Klasse Konzert!