A beautiful Club according to Larry

Das Theaterstübchen stemmt sich auch im Jahr 2022 mit dem hochkarätigen besetzten Jazzfrühling gegen die Folgen der Covid-Pandemie. Denn die ist leider noch immer für unliebsame Überraschungen gut. So musste Ida Nielssen, gesetzt als Opener des Jazzfrühlings am Sonntag, kurzfristig wegen ihrer Corona-Erkrankung absagen. Zuvor schon wurde der Ausfall des Delvon Lamarr Organ Trios bekannt, Grund ist ein Todesfall in der Familie des Gitarristen Jimmy James. 

Goldings Stewart Bernstein aber finden statt. Dienstagabend, 2. Mai, 20 Uhr: Die Röhren der Hammond B3 sind ordentlich vorgeglüht, das Drumkit steht, Amp und Leslie-Kabinett sind auf on, und schon geht’s nach kurzer Ansage des Clubchefs los. Über die spielerischen Qualitäten dieser Musiker muss man nicht mehr viele Worte machen. Dieses Internet ist voller Lob und Einlassungen begeisterter Kritiker, hier finden sich auch die schwindelerregend langen Listen der jeweiligen Kooperationen dieser Koryphäen mit zahlreichen Größen der Musikbranche. 

Simple as that heisst also der erste Titel, eine sanft swingende Komposition von Bernstein mit verträumten Thema, die live gespielt doch deutlich mehr Drive aufweist als auf Ramshackle Serenade, dem 2014er Album. Gary Bartz´ Libra schließt sich an. Das uptempo vorgetragene Stück mit starken rhythmischen Akzenten entwickelt eine ungeheure Energie und mündet in ein kurzes und explosives Drumsolo, welches die ganze Klasse dieses Schlagzeugers in wenigen Takten verdeutlicht. Das Publikum weiss es zu schätzen.

Hochkarätiger Ostküstenjazz…

Prelude ist der nächste Titel, eine Gershwin-Adaption mit bluesig angehauchtem Feeling über einer eingangs retadierenden Akkordfolge, und bluesig sind auch die Soli Bernsteins und Goldings. Mit einer Improvisation auf der Orgel beginnt Mr. Meagles. In dieses amüsante Amuse-Gueule packt Goldings kleine Schnipsel, die an alte Zeichentrick-Jingles und Erkennungs- und Werbemelodien der 50er und 60er des vergangenen Jahrhunderts erinnern. Weird! Mit dem einsetzenden Vamp steigt die Band ein, und mit einem funky Vamp endet das Stück. Ein druckvoll packendes United, geschrieben von Wayne Shorter, folgt, mit einer weiteren starken solistischen Demonstration des Schlagzeugers.  

Es folgt die Pause, die laut Goldings von den Musikern genutzt werden soll, um darüber nachzudenken, was sie angerichtet hätten („We´ll have a break and think about what we´ve done”). Große Heiterkeit allenthalben. Vorher aber lobt Goldings noch die Spielstätte („This is a beautiful Club”), die gastgebende Stadt und den Wartungstechniker der Orgel – wo er recht hat, hat er nun mal recht.

... at its best.

Don´t ever call me again vom Album Toy Tunes entrollt sich im 6/4 auf einer schönen Figur im Bass, Duke Ellingtons Ballade Warm Valley vom Album Money Jungle gibt Stewart Gelegenheit, die Besen auszupacken. Zum zweitenmal steht diesen Abend Wayne Shorter auf der Setlist. Toy Tune, eine spät veröffentlichte Perle von 1965, erfährt eine mit spürbarer Autorität vorgebrachte Interpretation. Letztes Stück auf der Setlist ist I’m in the mood for love, Stewart wieder mit Besen, die Gitarre mit schönem erzählerischen Solo, Goldings mit gefühlvoll beigesteuerter Wärme aus dem Bauch der gut gewarteten B3. 

Zwei Zugaben noch erklatscht sich das begeisterte Publikum: Den Nightmist Blues von Ahmad Jamal und Ellingtons All too soon. Dann trullern die Rotoren im Leslie-Kabinett langsam aus.

Goldings Stewart Bernstein präsentieren Stücke aus dem umfangreichen Katalog ihres Schaffens, er enthält Eigenkompositionen und Material aus der schier unerschöpflichen Jazzhistorie. Dabei klingt dieses fantastische Trio stets originär nach Goldings Stewart Bernstein. Die große Homogenität und die Kontinuität dieser New Yorker Formation ist einzigartig, ihre musikalische Klasse und die schier unendlichen spielerischen Möglichkeiten der Instrumentalisten sind bemerkenswert. Symphathische Kerle sind sie überdies; entspannt, unprätentiös, freundlich. Tolles Konzert!